Seit zwei Jahren bereichert die die Husqvarna Norden 901 das Adventure-Touring-Segment. Die technischen Details der besser angezogenen KTM 890 Adventure habe ich Euch bereits zum Marktstart zusammengetragen. Um meine Neugier rund um die Fahreigenschaften der Maschine zu befriedigen, habe ich beim Händler – der sich praktischerweise direkt gegenüber unseres Büros befindet – mir für einen Tag die Norden ausgeliehen und mit zwei Kollegen eine kleine Tour durch den Hohen Fläming unternommen.

Nach einer kurzen Einweisung nahm ich auf der breiten Sitzbank Platz, die eigentlich ganz gemütlich aussah, die Sitzhöhe beträgt 85 oder wahlweise 87 Zentimeter und ist ohne Werkzeug schnell verstellbar. Aber durch den breiten Tank sitzt man in einer merkwürdigen Sitzposition mit weiter gespreizten Beinen, als ich eigentlich bislang von Motorrädern gewohnt war. Daran sollte ich mich nach den rund 250km an diesem Tag nicht gewöhnen.

Nach Drücken des Anlassers bellt der 889-Kubikzentimeter-Zweizylindermotor rauh aus dem Serienauspuff. Die ersten paar Kilometer der Tour führten uns über die Autobahn, so konnte ich mich erstmal auf der Maschine sortieren.



Mit den Armaturen und dem Display kam ich sofort zurecht, auch der Quickshifter machte einen tollen Job, egal ob es in der Schaltkulisse rauf oder runter ging. Wie es sich später bei einem kleinen Ausritt abseits asphaltierter Oberflächen zeigen sollte, macht er Gangwechsel im Stehen und in kniffligen Offroad-Situationen deutlich leichter.

Der Herzschlag der Norden 901 ist ihr 889-Kubikzentimeter-Zweizylindermotor, der mit 105 PS und 100 Nm Drehmoment bietet sie genügend Power liefert, um auf der Straße und im Gelände gleichermaßen gut unterwegs zu sein: sie beschleunigt in 3,7 Sekunden von null auf 100 km/h und erreicht 200 km/h Höchstgeschwindigkeit. Mit 204 kg trocken muss der Motor zwar 13 kg mehr bewegen als bei meiner F800 GS, die BMW hat aber auch 19 kg weniger Leistung. Rein subjektiv ergibt sich für mich im Fahren aber kein großer Unterschied. Die Husky schiebt sehr gut nach vorne, aber eben nicht überragend.

Was die Fahreigenschaften betrifft, so sind die Federelemente sowohl auf Straße als auch aufs Gelände gut abgestimmt. Das Fahrwerk bietet eine ausgewogene Balance zwischen Komfort und Stabilität, sodass man sich in jeder Fahrsituation sicher fühlt. Die Traktionskontrolle und das ABS können je nach Bedarf angepasst werden, um den unterschiedlichen Anforderungen gerecht zu werden. Als Erstbereifung wird sie mit Pirelli Rallye STR ausgeliefert, die On- und Offroad einen guten Job machen.

Auch wenn ein Tag für eine grundlegendes und abschliessendes Urteil über die Norden 901 zu wenig ist, kann ich eines für mich festhalten: das Motorrad macht emotional nix mit mir. Es funktioniert sehr gut, sieht um Welten besser aus als seine KTM Konzernschwester aber dennoch, es regt sich nix in meinem Herzen. Vielleicht ist das aber auch ein gutes Zeichen, sonst hätte ich ein 15.200 €-Problem. So viel muss man beim Händler für die Norden 901 auf den Tisch legen und damit 750 Euro mehr als das Schwestermodell KTM 890 Adventure.