Ein Phänomen lässt sich bei der Entwicklung der Elektromobilität beobachten, sowohl bei Zwei- als auch bei Vierrädern. Einige Großserienhersteller spielen zwar mit, aber die wirklichen Innovationen und neuen Denkansätze kommen oftmals von kleinen Marken, von denen man vorher kaum oder nichts gehört hat. Um das zu ändern, hat das Craftwerk-Team um Max Funk das Reload.Land ins Leben gerufen: drei Tage bot man allen möglichen Marken eine Plattform, sich und ihre E-Bikes, Pedelecs und Elektromotorräder zu präsentieren. Für das interessierte Publikum war es eine einzigartige Möglichkeit, die Bikes in echt zu sehen, anzufassen, Probe zu fahren und die Hersteller mit allen möglichen Fragen zu löchern.

Zum Thema E-Mobilität und Reload hatte ich bereits vor ein paar Wochen mit Max Funk ein Interview geführt, welches auch im ersten Teil der neuesten Folge unsere TwinSpark Motorrad Podcasts zu hören ist.

Ein paar der Hersteller möchte ich Euch hier vorstellen und kurz näher bringen.



Luuc Muis Creations

Luuc Muis Creations oder kurz LM Creations fielen mir bereits auf der diesjährigen Bike Shed Show auf. Zum Reload hatten sie einen Conversion-Kit dabei für die Elektrifizierung von Zweiventilboxern. Dabei bleibt das Motorengehäuse erhalten und beherbergt nun den Elektroantrieb. Puristen sich vielleicht die Haare raufen, aber ich mag diese Art „Restomods“.

Trevor Motorcycles

Trevor Motorcycles aus Belgien haben ihre radikal einfache DTRe Stella kurz vor der Serienfertigung. Von Vintage Enduros und Flattrackern inspiriert ziert hier ein schmales, austauschbares Monocoque den rudimentären Trellis-Rahmen. Ein 11KW-Motor treibt das nur 101kg schwere Motorrad voran. Die DTRe Stella hat eine Reichweite von bis zu 100 km in einer städtischen Umgebung und eine Ladezeit (0>100%) von 60 Minuten mit einem 3kW-Ladegerät. Die strassenlegale Version geht für 14.495 € in den Verkauf, die Dirt Track Version ist bereits für 12.995 € zu haben.

Super73

Super73 bringen den 70er-Jahre-Californian-Beach-Cruiser-Vibe in das Segment der Elektrobikes. Zertifiziert als EPAC (electric pedal assist cycle) sind sie als Elektro-Hybrid-Rad zugelassen. Drei unterschiedliche Modelle gibt es in zahlreichen Farb- und Ausstattungsvarianten, allen gemeinsam sind die fetten Reifen. Die sind nicht nur Hingucker sondern sorgen auch für entsprechenden Komfort, vor allem bei den ungefederten Modellen. Ein 250 Watt-Motor unterstützt beim Treten bis zu einer Geschwindigkeit von 25 km/h. Die kleineren Modelle versprechen eine Reichweite von 30-40 km, die größeren von 60-70 km. Die Ladezeiten betragen 3-4 Stunden, bis es wieder mit 100% weitergehen kann. Preislich liegen die Modelle zwischen 1.599 € und 4.599 €. Angekündigt hat Super73 das Modell C1X, welches optisch deutlich mehr Richtung Motorrad geht mit 15″ Reifen und einer Endgeschwindigkeit von 120 km/h.

Urban Drivestyle

Ein ähnliches Segment wie Super73 bedient Urban Drivestyle aus Berlin, die seit 2016 Urban Utility E-Bikes bauen. Erstaunlich ist die Modellvielfalt, unterschiedliche Rahmen, kurze und lange Sitzbänke für Ein- oder Mehrpersonentransport, von BMX-Style bis zum Cargobike. Und das ganze garniert mit der entsprechenden Berlin-Attitüde.

Den Antrieb übernimmt auch hier ein 250W-Motor, preislich liegen die Modelle zwischen 2.290 € und 4.290 €. Leasing ist auch möglich ab 49€ im Monat.

Zero Motorcycles

Mit Zero Motorcycles war einer der Vorreiter im Bereich Elektromotorrädern auch am Start. Die Geschichte von Zero begann vor 16 Jahren mit einer Idee in einer Garage in Santa Cruz, Kalifornien, die sich im Laufe der Jahre zu einem international bekannten Motorradunternehmen weiterentwickelte. Entsprechend breit ist die Modellpalette, die Zero aufweisen kann: acht verschiedene Modelle bedienen die unterschiedlichsten Segmente, von kleiner Enduro bis zum Naked Bike oder vollverkleidetem Sportmotorrad.

Ich nutzte die Gelegenheit zu einer Probefahrt mit der Zero SR/F, um mal heraus zu finden, wie sich 190 Nm am Hinterrad anfühlen. In zwei Worten: unfassbar geil. Beim Ampelsprint auf der Landsberger Allee hatte ich das Gefühl, das es mir die Gehirnmasse an die Schädel-Rückwand drückt. Der neben mir zum Halten kommende Harley-Fahrer war auch sichtlich beeindruckt: „Hui, das war schnell!“

Bis zu 17,3 kWh Akkukapazität und eine maximale Reichweite von bis zu 365 km sind auch ein Wort. Bei entsprechender Planung und vorhandener Ladeinfrastruktur muss hier niemand mehr Reichweitenangst haben. Ein Einstiegspreis von 23.650 € ist sicherlich kein Schnäppchen, dafür gibt es aber eines der ausgereiftesten Antriebskonzepte im Markt. Ich bin sehr beeindruckt.

Verge Motorcycles

Wenn es um den Super-Trumpf im Elektromotorrad-Quartett geht, dann gewinnt die Verge TS mit einem beeindruckenden Drehmoment von 1.000 Nm und einer Leistung von 102 kW. Das produziert eine Höchstgeschwindigkeit von 180 km/h und eine Beschleunigung von 0-100 km/h in weniger als 4 Sekunden.

Der 20,2-kWh-Akkupack wird von Verge selber hergestellt und bietet je nach Fahrstil 300 km Reichweite. Mit einem Gleichstrom-Ladegerät über CCS kann mit einer 15-minütigen Ladung eine Reichweite von 100 km „getankt“ werden. Mit dem Onboard-Ladegerät dauert ein kompletter Ladezyklus 4,5 Stunden. Preislich liegt die Verge TS mit 24.990 € ungefähr auf dem Niveau der Zero SR/F. Dafür bekommt man bei der Verge das absolute Alleinstellungsmerkmals des Radnabenmotors, in Verbindung mit dem 240er Hinterrad ist es eine sehr beeindruckende Erscheinung!

Black Tea Motorcycles

Kleiner, klassischer und leichter kommen da die Modelle von Black Tea Motorcycles daher. Die Manufaktur aus München baut Elektromotorräder in klassischer Optik her mit Leistungen zwischen 4 und 11 PS. Die Bonfire S ist entsprechend schon mit dem Auto-Führerschein fahrbar, die Bonfire E und X mit dem B196-Führerschein fahrbar.

Der große Unterschied zu anderen Elektromotorrädern sind hier die herausnehmbaren Akkus, die in der schwarzen Box unter dem Tank ihren Platz finden. Das wäre für uns ein entscheidendes Kriterium, da wir am Stellplatz keine Lademöglichkeit haben und die Akkus im Keller laden müssen. Die Gattin war ebenfalls sehr angetan, mal kucken, ob der Elektroroller demnächst Platz machen muss für eine Bonfire.

TwinSpark Podcast Folge #37

In der aktuellen Folge unseres Podcasts haben wir neben dem Initiator Max Funk auch viele der Aussteller und Hersteller vor das Mikrofon geholt. Hört gerne rein und lasst Euch elektrifizieren.

Edit

Ein sehr guter Artikel, wie Elektromotorräder die Motorrad-Szene verändern werden, findet sich drüben bei Vintagent.