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Elektro-Enduro fahren im Electric Ride Park Hardegsen

Seit annähernd zehn Jahren fahre ich nun Motorrad. In dieser Zeit war ich meistens auf der Strasse unterwegs, meine Fahrskills entwickelten sich hauptsächlich in ADAC Trainings. Bevor ich neulich das Blut der Rennstrecke geleckt habe beim Triumph Media Day war mein grösster Wunsch, meine Offroad-Fähigkeiten weiterzuentwickeln. Das einmalige ADAC Reiseendurotraining fand ich eher so mittel, mir schwebte eher etwas in Richtung Enduro Action Team Training vor. Termine hatte ich mir auch schon ausgekuckt, aber Corona machte das ganze wenig planbar. Wir aber auf jeden Fall noch passieren, wohl aber mehr in Richtung 2022.

Umso mehr freute ich mich über das kurzfristig organisierte Wochenende der Bears on Tour im Electric Ride Park Hardegsen. Seit Januar bin ich Teil dieser herrlich verstrahlten Menge Motorradmenschen. Und zwei davon hatten ein Trainingswochende organisiert. Der Electric Ride Park ist ein Offroadpark für elektrobetriebene Motorräder und E-Bikes. Neben Single-Trails in verschiedenen Schwierigkeitsstufen und einer Einsteigerstrecke auf einem Wiesenhang mit kleinen Sprüngen ist die Krönung des Parks die anspruchsvolle Motocross-Strecke angelegt vom belgischen Streckendesigner Freddy Verherstraten.

Einfahrrunde

Langsam rantasten

Unsere 14 Teilnehmer teilten sich in eine Einsteiger- und eine Fortgeschrittenengruppe. Pro Gruppe fuhren wir jeweils eine Runde von 45 Minuten, danach war Ladepause und die andere Gruppe fuhr 45 Minuten. Für die Einsteiger waren zwei Runden geplant, für die Fortgeschrittenen drei. Anfangs erschien mir das etwas wenig Fahrzeit, aber ich wurde schnell eines besseren belehrt.

Gefahren sind wir ausschliesslich auf der KTM Freeride E. Sie besitzt weder eine Kupplung, noch eine Schaltung oder einen Kickstarter. Die Hinterradbremse liegt auf dem linken Lenkerhebel, auf dem normalerweise die Kupplung liegt. Von meiner Vespa war ich das ja gewohnt. Der Bürstenlose Permanentmagnet-Synchronmotor bietet 42 Nm Drehmoment und eine kurzfristige Spitzenleistung von knapp 30 PS. Zum Einstieg bewegten wir das Motorrad in der Leistungsstufe 1 von 3, um erstmal ein Gefühl für Motorrad und Terrain zu bekommen. Mit jeder Stufe verdoppelt sich die Leistungsabgabe, später fuhren wir in Stufe 2 und ich empfand das mehr als ausreichend.

Die erste unserer drei Fahrrunden führte uns erstmal über die Einsteigerstrecke. Die angegebenen 910mm Sitzhöhe kamen mir garnicht so hoch vor. Auf jeden Fall schaffte ich es schon mal, das Bein über den Sattel zu schwingen, der Rest des Tages wurde fast eh‘ nur in den Fussrasten stehend verbracht. Der erste große Vorteil einer E-Enduro offenbarte sich sofort: ohne sich ums Schalten und die Kupplung kümmern zu müssen. Sprich: es waren viel mehr Gehirnzellen verfügbar, um sich um den Rest der Fahr-Action prozessieren zu können.

Nach den ersten Runden um die Wiese durften wir in Stufe zwei schalten und schlugen uns ins Gebüsch auf die Singletrails. Und da würde es schon richtig eng zwischen den Bäumen durch, bergauf und bergab über Wurzeln und Steine. Die ersten legten sich schon mal kurzfristig links oder rechts ab ins Gebüsch, inklusive mir. Aber schnell waren wir ja nicht unterwegs und ausser ein paar Kratzern oder blauen Flecken blieb vor allem Dreck und Gemüse am Mopped übrig. Allen voraus fuhr der Chef Markus höchstpersönlich und ich fuhr ihm erstmal blindlings hinterher. An den Stellen an den er meinte „da wirds mal etwas steiler“ schaute ich mir das aber eher mal mit Vorsicht an, bevor ich Strom gab. Sagen wir es mal so: bergauf war nie das Problem, eine der steileren Bergabpassagen passierten wir zweimal und da maulte ich mich auf zweimal konsequent und versuchte mit meinem Helm einen Baum zu fällen. Die hinter mir fahrenden hörten nur den Einschlag und sahen den Baumwipfel wanken. Mit etwas Hilfe konnte ich das Bike aber wieder aufrichten und weiterfahren.

Äh, nö. Das ist mir zu steil, da fahr ich nicht runter!

Schliesslich erwartete uns die Endurostrecke im alten Steinbruch. Sehr spektakulärer Anblick. Die Einwirkungen des starken Regens der Vortage hatte Markus noch versucht zu beseitigen. Die Sprunghügel und Tables waren auch trocken, nur ein einigen Kuhlen und Kurven lauerte noch schön der Modder. Und ich lernte: Modder ist wie Sand. Geschwindigkeit stabilisiert, lass das Vorderrad arbeiten. Die erste Runde liess ich es noch moderat angehen, aber sobald das Vertrauen ins Geläuf und das Motorrad da war, ging es etwas forscher voran. Mit dem gesteigerten Ambitionslevel ging es aber auch auf die Kondition. Zwischendrin mal anhalten und durchschnaufen war also angesagt. Schliesslich war ich hier in dem Rudel der Älteste, da durfte man auch mal den jungen Hüpfern den Vortritt lassen. Und die Pause nach 45 Minuten kam mir da sehr gelegen, den geröteten Gesichtern meiner Mitstreiter nach zu urteilen waren die auch nicht unglücklich drüber. Ein weiterer Vorteil des Elektro-Enduro-Fahrens erschloss sich mir hier: da die seltensten Leute konditionell in der Lage sind, ein paar Stunden durchzufahren macht der Zyklus Fahren – Laden – Fahren noch mehr Sinn.

Sehr ungewöhnlich war auch die Abwesenheit von Motorengeräuschen. Ok, ganz leise waren wir nicht unterwegs, Antriebsstrang und Reifen machten schon etwas Lärm aber kein Vergleich zu einem Zwei- oder Viertaktmotorengeräusch. Als ich die Aufnahmen meiner Helmkamera sichtete musste ich lachen da mein Geschnaufe das Lauteste war, was man auf der Tonspur hörte.

Haui zeigt wie es geht!

In Runde zwei und drei wurde bisschen mehr an den Skills gefeilt und verschiedene Fahrtechniken ausprobiert. Beim Springen war ich sehr zurückhaltend, im Nachhinein hätte ich mir da bischen mehr trauen bzw. Markus mal nach Tipps fragen sollen. Andererseits wollte ich es am Anfang nicht gleich übertreiben. Und ich merkte auch, wie beim dritten Stint sich immer mehr Fehler einschlichen, die auf die abfallende Konzentration zurückzuführen war. So liess ich es gemütlicher angehen und genoß einfach den kindlichen Spaß, den alle in der Gruppe hatten. Abends war ich auf jeden Fall fertig wie ein Schnitzel und konnte das Stiefelbier nur noch im Liegen trinken.

Enduro-Style kann ich

Hauser ist platt

Eine schöne Zusammenfassung des Wochenendes findet ihr auch im aktuellen BearCast mit O-Tönen vieler Beteiligten.

Und ein bischen Bewegtbild dazu gibt es auch noch:

Alles in Allem kann ich Euch das Elektro-Endurofahren nur wärmstens empfehlen. Und wenn man nicht gleich Hardcore Motocross-Action hinlegen will, das Fahren von Singletrails ist auch super kurzweilig, Du trainierst super Deine Balance auf dem Motorrad, was Dir auch beim Fahren Deiner Strassen- oder Reisemopete hilft. Probiert es auf jeden Fall aus, wenn ihr die Gelegenheit habt. Der Enduro Park in Hardegsen hat verschiedenste Pakete im Angebot, auch für Kinder ab sechs Jahren. Ich plane also schon mal den nächsten Familienausflug nach Niedersachsen.

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Let’s ride – Triumph Media Day in Oschersleben

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  1. Axel

    Sehr geil!

    Gleich mal rumgereicht und jetzt suchen wir einen Termin. Ich bin seit 20 Jahren nicht mehr im Gelände gewesen. Hoffentlich hab ich meine schlechten Angewohnheiten vergessen.

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